Wissenswertes über die Arbeitnehmerveranlagung

Ein veröffentlichter Beitrag von BHWV Buchhaltung e.U.

Inhaltsverzeichnis

Was versteht man unter der Arbeitnehmerveranlagung?

Die Arbeitnehmerveranlagung (ANV) wird auch Steuerausgleich oder Jahresausgleich genannt. Durch die Arbeitnehmerveranlagung können Sie vom Finanzamt den Teil der Lohnsteuer wieder zurückbekommen, den Sie zu viel bezahlt haben. Diese Lohnsteuergutschrift wird nach Überprüfung durch das Finanzamt direkt auf Ihr Konto überwiesen. Für die Veranlagung haben Sie 5 Jahre Zeit, auch wenn Sie bereits vom Finanzamt veranlagt worden sind.


Wer darf die Arbeitnehmerveranlagung beanspruchen?

Zur Arbeitnehmerveranlagung sind Angestellte, Arbeitnehmer, Beamte und Pensionisten berechtigt. Seit dem Veranlagungsjahr 2016 erhalten sie in bestimmten Fällen ihre Steuergutschrift automatisch durch die antragslose Arbeitnehmerveranlagung, wenn Sie

  • ausschließlich lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen haben
  • keine besonderen Ausgaben (z.B. Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen oder Absetzbeträge) gelten gemacht werden
  • noch kein Antrag bis zum 30. Juni des Folgejahres beim Finanzamt eingereicht wurde
  • keine Pflichtveranlagungsgründe vorliegen
  • die von der Finanzverwaltung berechnete Veranlagung zu einer Steuergutschrift führt

Warum bezahlt man zu viel Lohnsteuer?

Sie bezahlen (nicht immer!) zu viel, da Sie über das ganze Jahr hinweg nicht gleich viel verdienen, also zum Beispiel schwankende Bezüge oder Verdienstunterbrechungen während eines Kalenderjahres haben. Die Lohnsteuer wird nämlich Monat für Monat berechnet und wenn man die unterschiedlichen Löhne oder Gehälter zusammenzählt und danach die Steuer berechnet, kommt meistens ein Guthaben für Arbeitnehmer heraus.


Was wäre, wenn es zu einer Steuernachzahlung kommen würde?

Sollte es in Ihrem Fall jedoch zu einer Steuernachzahlung kommen, können Sie, WENN ES KEINEN VERPFLICHTUNGSGRUND GIBT, den Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung wieder zurückziehen.


Was kann bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden?

  • Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag (auch wenn dieser schon gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht wurde)
  • Mehrkindzuschlag
  • Pendlerpauschale (wenn nicht schon gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht wurde)
  • Krankenversicherungszusatzbeitrag für mitversicherte Angehörige
  • Pflichtversicherungsbeiträge aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung
  • Sonderausgaben, wie z.B. Kirchenbeiträge und Spenden
  • Sonderausgaben z.B. aufgrund einer Behinderung oder Krankheit
  • Werbungskosten (z.B. berufliche Aus- und Fortbildungskosten, wie Fachliteratur und Fortbildungskosten)
  • Unterhaltsabsetzbetrag
  • Familienbonus Plus
  • Freibeträge für Inhaber von Amtsbescheinigungen und Opferausweisen

Wann ist normalerweise eine Steuergutschrift zu erwarten?

  • Wenn Sie während des Jahres den Arbeitgeber gewechselt haben oder nicht ganzjährig beschäftigt waren
  • Wenn Sie aufgrund der geringen Höhe Ihrer Bezüge Anspruch auf eine Steuergutschrift haben
  • Wenn Sie Anspruch auf den Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag oder auf eine Pendlerpauschale haben, welche bei der laufenden Lohnverrechnung nicht berücksichtigt wurden
  • Wenn Sie Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen wollen, die noch nicht in einem Freibetragsbescheid berücksichtigt wurden

Wann ist man zur Arbeitnehmerveranlagung verpflichtet?

Sollten Sie im betreffenden Jahr ein Einkommen ab 12.000 € haben und wenn mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Wenn Sie Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit bezogen haben, diese im Kalenderjahr mehr als den Veranlagungsfreibetrag von 730 € betrugen und nicht dem Lohnsteuerabzug (z.B. Grenzgänger) unterlagen, oder anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung bezogen haben und der Veranlagungsfreibetrag von 730 € überschritten wurden. In diesem Fall müssten Sie die Einkommenssteuererklärung (Formular E1) verwenden.
  • Wenn Sie in einem Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig mehr als einen lohnsteuerpflichtigen Bezug (mehrere Anstellungen zur gleichen Zeit) erhielten, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam versteuert wurden (z.B. Firmenpension neben ASVG-Pension)
  • Wenn Sie in einem Kalenderjahr in der Personalverrechnung eine zu hohe Pendlerpauschale, Pendlereuro oder erhöhte Pensionistenabsetzbetrag verrechnet wurde obwohl keine Voraussetzungen dafür vorlagen.
  • Wenn der Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag, der erhöhte Verkehrsabsetzbetrag oder der erhöhte Pensionistenabsetzbetrag in einem Kalenderjahr bei der laufenden Lohnverrechnung berücksichtigt worden ist, obwohl keine Voraussetzungen dafür vorlagen.
  • Wenn Sie ein Pendlerpauschale zu Unrecht oder in unrichtiger Höhe in Anspruch genommen haben oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.
  • Wenn Sie unrichtige Angaben für die Steuerbefreiung von Kinderbetreuungskosten abgegeben haben oder Ihrer Meldepflicht über die Änderung der Verhältnisse nicht nachgekommen sind.
  • Wenn ein Familienbonus Plus bei der Lohnverrechnung berücksichtigt wurde, aber die Voraussetzungen nicht vorlagen oder wenn sich ergibt, dass ein nicht zustehender Betrag berücksichtigt wurde.
  • Wenn Sie als österreichischer Abgeordneter zum Europäischen Parlament Bezüge erhalten haben.
  • Wenn Sie vorsätzlich mit Ihrem Arbeitgeber die abzuführende Lohnsteuer verringert haben.

Welche Formulare werden benötigt und wo bekommen Sie sie her?

Für die Arbeitnehmerveranlagung brauchen Sie das Formular L1. Sollten Sie Kinder haben und Familienbeihilfe beziehen, wäre zusätzlich das Formular L 1k auszufüllen. Wenn Sie außergewöhnliche Belastungen (z.B. Krankheit) haben, wäre zusätzlich das Formular L 1ab auszufüllen. Bei Einkünften ohne inländischen Lohnsteuerabzug (z.B. ausländische Pension) wäre zusätzlich das Formular L 1i auszufüllen. Für Kirchenbeiträge von Ihrem Partner oder Ihren Kindern, freiwillige Weiterversicherung von Ihrem Partner oder Ihren Kindern oder Beiträge für den Nachkauf von Schulzeiten, müssen Sie das Formular L 1d ausfüllen.

Die benötigten Formulare bekommen Sie von jedem Finanzamt oder können Sie über die Webseite des Finanzministeriums bestellen, damit sie Ihnen per Post zugesandt werden können.

Um sich das Besorgen und Ausfüllen der Formulare zu ersparen, haben Sie auch die Möglichkeit Ihre Arbeitnehmerveranlagung über das elektronische Datenübertragungsverfahren der Finanzverwaltung, FinanzOnline genannt, über das Internet einzureichen. Dazu benötigen Sie aber einen Computer, Bürgerkarte und Kartenlesegerät, oder vom Finanzamt ausgestellte Zugangsdaten (Teilnehmer-Identifikation, Benutzer-Identifikation und PIN). Die Zugangsdaten erhalten Sie nach der Registrierung im FinanzOnline unter https://finanzonline.bmf.gv.at durch Klick auf "Online Erstanmeldung" oder persönlich bei Ihrem Finanzamt. Sollten Sie sich für die Abwicklung über FinanzOnline entschieden haben, beachten Sie bitte, dass Sie standardmäßig die Bescheide nur mehr elektronisch in die FinanzOnline Databox erhalten und die Bescheide ab den Zeitpunkt der Hinterlegung in Ihre FinanzOnline Databox als zugestellt gelten und ab dann die Beschwerdefrist beginnt abzulaufen. Sie können aber auch beim Einstieg in FinanzOnline ausdrücklich auf die elektronische Zustellung der Bescheide verzichten, damit Sie die Bescheide weiterhin per Post zugesandt bekommen.

Durch FinanzOnline haben Sie z.B. folgende Vorteile:

  • FinanzOnline ist kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung
  • Sie können den Amtsweg von zu Hause aus erledigen
  • Sie brauchen nur einen Computer mit Internetanschluss ohne zusätzliche Software
  • Elektronische Übermittlung der Arbeitnehmerveranlagung ohne Papierformulare
  • Elektronische Übermittlung von z.B. Änderung der Vorauszahlung, Verlängerung der Beschwerdefrist
  • Elektronische Übermittlung der Bestätigung über den Bezug von Familienbeihilfe
  • Sofortberechnung der voraussichtlichen Steuer
  • Bescheid Zustellung in Ihren persönlichen elektronischen Postkasten (FinanzOnline Databox)
  • Elektronische Abfrage über den aktuellen Stand Ihres Steuerkontos
  • Elektronische Übermittlung, wenn sich Ihre persönlichen Daten geändert haben (z.B. Kontonummer, Adresse)
  • Elektronische Antragstellung (z.B. auf Rückzahlung oder Familienbeihilfe)
  • Elektronisches Ergänzungsersuchen
  • Elektronische Bankzahlungsfunktion
  • SEPA-Lastschriftenmandant für Einkommensteuervorauszahlungen

Wie funktioniert das Verfahren der Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt?

Für den Antrag auf Durchführung einer Arbeitnehmerveranlagung haben Sie 5 Jahre Zeit (z.B. kann der Antrag für 2015 bis Ende Dezember 2020 gestellt werden). Sie können Ihren Antrag entweder elektronisch über FinanzOnline übermitteln, mit dem maschinenlesbaren Formular L1 (gegebenenfalls mit Beilage L1k, L1ab, L1i) per Post senden oder persönlich bei Ihrem Finanzamt abgeben. Das Finanzamt bearbeitet die Anträge in der Reihenfolge des Einlangens und führt auf Ihren Antrag eine Arbeitnehmerveranlagung durch.

Sollten Sie die Arbeitnehmerveranlagung in Papierform übermitteln, achten Sie bitte darauf keine Kopien, da sie maschinell nicht lesbar sind, sondern nur die vom Finanzamt zur Verfügung gestellten Originalformulare zu übermitteln. Die Formulare können Sie bei jedem Finanzamt abholen, oder unter https://service.bmf.gv.at/service/allg/feedback/_start.asp?FTyp=STFBL1 bestellen und werden Ihnen dann per Post zugesandt.

Beachten Sie bitte folgende Ausfüllhinweise der Papierformulare, da die Formulare maschinell gelesen werden:

  • Schreiben Sie in Blockschrift (Großbuchstaben) und verwenden Sie ausschließlich schwarze oder blaue Farbe
  • Schreiben Sie in jedes Kästchen nur einen Buchstaben, eine Ziffer oder ein Sonderzeichen
  • Füllen Sie die Textfelder linksbündig (von links nach rechts) aus
  • Füllen Sie Betragsfelder rechtsbündig (von rechts nach links) aus
  • Leerbleibende Felder bitte frei lassen und nicht durchstreichen
  • Fehler in Betragsfeldern korrigieren Sie, indem Sie den falschen Betrag zur Gänze unkenntlich machen und die gesamte Zahl neben, über oder unter den Eintragungsfeldern anführen
  • Anmerkungen außerhalb der vorgesehenen Felder können nicht maschinell gelesen werden (abgesehen von Korrekturen)

Die Erledigung der Arbeitnehmerveranlagung durch Ihr Finanzamt kann erst erfolgen, wenn alle Jahreslohnzettel oder sonstigen Meldungen (z.B. vom Arbeitsmarktservice) eingelangt sind. Achten Sie bitte darauf, dass die Arbeitgeber nicht verpflichtet sind, die Jahreslohnzettel vor Ende Februar des folgenden Jahres an das Finanzamt zu übermitteln.

Für Ihren Antrag müssen keine Lohnzettel und keine Belege wie Rechnungen, Bestätigungen oder Zahlungsbelege für Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen beigelegt werden. Diese müssen aber 7 Jahre aufbewahrt und auf Verlangen des Finanzamtes vorgelegt werden.

Die Finanzbehörde ist verpflichtet ohne unnötigen Zeitaufschub zu entscheiden. Sollte nicht innerhalb von 6 Monaten entschieden worden sein, kann schriftlich beim Bundesfinanzgericht eine Säumnisbeschwerde eingebracht werden, damit entweder das Finanzamt, oder das Bundesfinanzgericht selbst, innerhalb von 3 Monaten darüber entscheidet.


Tipps, Informationen und praktische Beispiele

Das vom Finanzamt veröffentlichte Steuerbuch beinhaltet Tipps, Informationen und praktische Beispiele rund um die Arbeitnehmerveranlagung für die vergangenen fünf Jahre und ist hier zu finden: https://www.bmf.gv.at/services/publikationen/das-steuerbuch.html



Unkomplizierte Arbeitnehmerveranlagung

durch BHWV Buchhaltung e.U.

4 unkomplizierte Schritte zur Erstellung Ihrer Arbeitnehmerveranlagung

Die Kontaktaufnahme mit uns ist ganz einfach. Kontaktieren Sie uns auf einem Weg, der Ihnen zusagt. Kontaktinformationen finden Sie auf jeder Homepageseite ganz unten. Beim kostenlosen und unverbindlichen Beratungsgespräch sprechen wir über Ihre Wünsche und Bedürfnisse, damit wir Sie ganzheitlich beraten können. Wir zeigen Ihnen auf, wie wir Sie, professionell auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten, unterstützen können.

Am Besten sammeln Sie alle Belege für Ihre Arbeitnehmerveranlagung an einem Ort. Dazu können Sie A4-Ordner, wo Sie alle Belege nach Datum (neueste ganz oben), oder im schlimmsten Fall eine Kartonschachtel verwenden. Bitte beachten Sie, dass wir für das Sortieren Ihrer Belege auch Zeit benötigen und sich durch den Zeitaufwand für die Sortierung durch uns die Kosten für die Erstellung Ihrer Arbeitnehmerveranlagung erhöht.

Nachdem durchgeführten kostenlosen Beratungsgespräch wissen Sie, wie Sie uns nach Ihrem Wunsch die Belege für Ihre Arbeitnehmerveranlagung übermitteln können: Entweder die Belege zu uns bringen, per Post oder E-Mail senden oder eine Belegabholung durch uns. Achten Sie bitte auf die zeitgerechte Abgabe der Belege, damit wir Ihre Arbeitnehmerveranlagung rechtzeitig erledigen können und keine Abgabefristen versäumt werden.

Nachdem die ersten 3 Schritte erfolgreich durchlaufen sind, steht der professionellen Durchführung Ihrer Arbeitnehmerveranlagung durch uns nichts mehr im Weg und wir erstellen Ihnen prompt Ihre Arbeitnehmerveranlagung!




Sie profitieren von 3 Vorteilen

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Gesetzliche Änderungen

Bei der Arbeitnehmerveranlagung ist einiges zu beachten, da die Arbeitnehmerveranlagung nach gesetzlich bestimmten Regeln abläuft. Und dazu müssten Sie sich jedes Jahr mit den Änderungen auseinandersetzen, damit Sie immer am aktuellen Stand sind und das nehmen wir Ihnen gerne ab.

Fachkundige Beratung

Das Steuerrecht ist von einem Laien kaum zu durchblicken, da es jedes Jahr viele Gesetze betreffend Steuerrecht gibt, die nicht immer einfach zu verstehen sind. Außerdem müsste man sich viele Dokumente durchlesen um sich einen Überblick über die Erstellung der Arbeitnehmerveranlagung zu verschaffen.

Zeitaufwand

Die Erstellung der Arbeitnehmerveranlagung ist nicht jedermanns Sache, da viele Möglichkeiten Steuer zu sparen übersehen werden könnten. Um dies zu verhindern müsste man sich genauer mit der Materie des Steuerrechts auseinandersetzen, was viel Zeit beanspruchen würde.